Markus-Passion: Würdevolles Finale

Gevelsberg. Mit einer Kostbarkeit aus dem sakralen Schaffen von Johann Sebastian Bach verabschiedete sich am Sonntag die Konzertgesellschaft Gevelsberg nach 60 Jahren aus ihrer Jubiläumssaison. Die Markus-Passion, eine musikalische Rarität, setzte den Schlusspunkt.
Mehreren Glücksumständen ist es zu danken, dass es nach jahrelangen Bemühungen zu dieser Gevelsberger Aufführung kommen konnte. Nicht zuletzt hat geholfen, dass das Projekt tags zuvor in der Dresdner Frauenkirche gastierte und auch, dass die fünf Sänger des „ensembles amarcord” nach zwei vorausgegangenen Gastspielen gerne wieder nach Gevelsberg kamen. Vier Gastsängerinnen (Anja Zügner (Sopran), Dorothea Wagner (Sopran), Clare Wilkinson (Alt) und Silvia Janak (Alt ) traten zu dem männlichen Vokalquintett. Den Instrumentpart besorgte die Kölner Akademie.

Ein weiterer Glücksfall war Dominique Horwitz als Sprecher. Die aus Fragmenten sorgsam rekonstruierte Fassung rezitiert den Evangeliumstext im Wechsel mit den Arien und Chorälen. Dominique Horwitz hat seinen Part mit dem natürlichen lebendigen Ton versehen, der ohne aufgesetzten Pathos oder Sentimentalität auskommt und den starken Eindruck seines Textes mit dem der Sänger verbindet und gegenseitig erhöht. Man spürt seine Affinität zur Musik. Er ist ja Schauspieler, Rezitator und auch Sänger.

Unter der Gesamtleitung von Michael Willens erlebte die Markus-Passion eine durchweg organische fesselnde Realisation, ganz im Sinne Bachs, der seine Passionen ja für solistische Besetzungen komponiert hat. Aspekte kamen ans Licht, die im herkömmlichen Großformat verborgen bleiben.

Für die 13 Instrumentalisten der Kölner Akademie ist das Musizieren im alten Stil eine ihrer Domänen.

Ihr sauberer spannungsvoll ausbalancierter Klang und ihr taktvoller Umgang mit dem musikalischen Organismus ließ keine Wünsche offen und band die Gesänge in harmonischer Geschlossenheit ein.

Die Solo-Arien, ausgeführt von Clare Wilkinson, Dorothea Wagner, Anja Zügner und Wolfram Lattke fügten sich behutsam, mit einfühlender Zurückhaltung und angemessener Würde in die dynamische Entwicklung ein, und die insgesamt neun Solosänger trugen die Chorsätze bewegt und eindringlich vor.

Die große Kunst dieser religiösen Musik wurde hautnah und fesselnd nahegebracht. Dem „ensemble amarcord”, das in seiner frühen Thomanerzeit mit Bach aufgewachsen ist, liegt die abgeklärte Schönheit der Choräle ebenso im Blut wie deren Transparenz und emotionale Kontur.

Ein würdevolles, anrührendes Finale. - Dagmar Zschiesche

[Westfälische Rundschau - 30. März 2009]